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Das große Krabbeln – Insekten im Staudengarten

 

Haben Sie im Frühling oder Sommer schon einmal dem bunten Treiben im Garten zugeschaut? Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und viele andere Insekten verwandeln den Garten auf der Suche nach Pollen und Nektar in einen summenden und blühenden Flugplatz. Besonders Stauden locken viele Insekten an: Sie bieten den geflügelten Besuchern nicht nur den Kraftstoff, den sie zum Leben brauchen, sondern dienen verschiedenen Arten auch als Schutz vor Feinden. Gartenbesitzer, die Stauden pflanzen, fördern Honigbienen, Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere „Brummer“ und sorgen so dafür, dass Äpfel, Kirschen und andere Obstbäume viele Früchte bilden. Der Grund: Etwa achtzig Prozent aller Pflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Staudenexperte Klaus-Peter Manig vom Bund deutscher Staudengärtner (BdS): „Bereits im Frühjahr haben das Immergrün (Vinca) mit seinen blauen, weißen oder violett-roten Blüten oder die herrlich altmodisch wirkenden Akelei (Aquilegia) eine magnetische Wirkung auf Insekten.“ Manig betont: „Wenn die Stauden jetzt im Frühjahr gepflanzt werden, ist eine Blüte in diesem Jahr noch garantiert.“ Vom fast ganzjährigen Nahrungsangebot der Stauden an Nektar und Pollen profitieren außerdem die Vögel. Sie werden vom reichen Angebot an Futtertieren angelockt und sind für viele Pflanzenliebhaber gern gesehene Gäste.

 

„Amerikaner“ als Futterpflanzen im Herbst

 

In der zweiten Jahreshälfte sind viele Wiesen abgemäht und der Blütenreichtum der einheimischen Flora lässt nach. Dann werden sommer- und herbstblühende Stauden im Garten von Insekten gerne als Nahrungsquelle angenommen. „Viele dieser herbstblühenden Stauden stammen aus den Prärien Amerikas und blühen ab Sommer bis weit in den Herbst hinein“, berichtet Klaus-Peter Manig. Ein Vertreter dieser „Amerikaner“ ist der Rote Sonnenhut (Echinacea), der besonders gerne von Bienen, Hummeln und Schwebfliegen besucht wird. Den Farbvorlieben der Insekten sind dabei keine Grenzen gesetzt. Es gibt die unempfindlichen und langblühenden Stauden in den Farben Rot, Rosa bis Cremeweiß. Manig gibt folgenden Tipp: „Wenn Verblühtes immer wieder abgeschnitten wird, blüht die Pflanze zur Freude vieler Insekten sehr lange nach. Die Samenstände lässt man am besten über Winter stehen. Das ist nicht nur dekorativ, sondern dient auch als Unterschlupf für Insekten. Meisen bedienen sich ebenfalls gerne an den geschmackvollen Samenhüllen.“ Wer zusätzlich wichtige Pollenspender wie den echten Salbei (Salvia), die Skabiose (Scabiosa) oder Thymian (Thymus) ansiedeln möchte, darf dabei nicht vergessen, dass eine einzelne Pflanze oft nicht ausreicht, um den Hunger von Wildbienen und Schmetterlingen zu stillen. Eine Gruppe von drei bis fünf Pflanzen sorgt da schon für eine bessere Nahrungsgrundlage.

 

Die Farbe Lila – Favorit der Insekten

 

Sehr beliebt ist bei Insekten die Farbe Lila, weil Blüten in diesem Farbton ein reiches Nektarangebot versprechen. „Bei Schmetterlingen ist die Verbene (Verbena bonariensis) sehr begehrt“, hat Bioland Staudengärtnerin Birgitt Meyer festgestellt. „Ihre nachtvioletten Blüten werden besonders von Schmetterlingen angesteuert. Sie tanken sich vor dem Winter an der Pflanze nochmals mit Nektar auf“, so die Expertin. Ein ähnlich starker Insektenmagnet ist die in blau, violett und weiß erhältliche Skabiose (Scabiosa). Da sie sich gut als Schnittpflanze eignet, lässt sich diese Staude auch auf den Küchentisch holen und hält sich dort sehr lange in der Vase. In milden Jahren blüht die Skabiose bis November und hält damit bis in den Spätherbst Nektar und Pollen für Bienen und Hummeln bereit. Ebenfalls beliebt bei Mensch und Insekt ist die Duftnessel (Agastache). Die dichtbelaubte und standfeste Pflanze fällt durch ihre violett-blauen Blütenkerzen auf und blüht bis in den Herbst hinein. Eine optisch ungewöhnliche Erscheinung ist dagegen die stahlblaue Kugeldistel (Echinops). Während der Blütezeit von August bis September werden die runden „Köpfe“ der Kugeldisteln von unzähligen Schmetterlingen und Bienen besucht, nachts geben sich dort Motten ein Stelldichein.

 

Wussten Sie eigentlich, dass... vielseitige und artenreiche Strukturen im Garten für Insekten ein idealer Lebensraum sind? Blühende Sträucher, Blumenrasen oder bunte Staudenbeete nutzen sie zugleich als Nahrungsquelle und Rückzugsort. Darüber hinaus bieten Trockenmauern Käfern willkommenen Schutz und auf Wasserflächen und in Sumpfbeeten fühlen sich Libellen am wohlsten. Birgit Meyer erklärt: „Vor allem die ungefüllten Blüten von Pflanzen wie dem Roten Sonnenhut (Echinacea) oder Wildformen des Hohen Eisenkrauts (Verbena bonariense) werden von Insekten gerne angeflogen.“ Wer die Vielfalt fördern möchte, sollte auch auf einen gründlichen Herbstputz im Garten verzichten. Samen und Fruchtstände von Stauden können über Winter stehen und Falllaub liegen gelassen werden, denn Unordnung im Herbstgarten schützt die Natur. Liegendes Laub ist eine biologische Schutzdecke, die das Bodenleben fördert und den Boden vor starken Niederschlägen und dem Verschlämmen und Verkarsten bewahrt. Außerdem können sich dort Insekten verstecken, die wiederum als Nahrung für die überwinternden Vögel nützlich sind. Dasselbe gilt für Laub- und Asthaufen im Garten, die auch eine ideale Überwinterungsmöglichkeit für Igel darstellen. Besonders wichtig für Schmetterlinge ist die Brennnessel: Sie dient den Raupen als wichtigste Futterpflanze überhaupt. Drücken Sie deshalb auch mal ein Auge zu und lassen Sie in einer Ecke des Gartens ein Exemplar des so genannten Unkrautes stehen.

 

Staudentipp des Monats

 

Die Katzenminze (Nepeta) ist „Staude des Jahres 2010“. Sie ist ein violett-blauer Dauerblüher, der sich vor allem an sonnigen Standorten wohl fühlt. Wie der Name schon sagt, ist Nepeta gerade bei Katzen sehr beliebt, aber auch Schmetterlinge und andere Insekten gehören zu ihren Anhängern. Birgitt Meyer empfiehlt: „Die blaublühenden Stauden eignen sich besonders gut als Begleitpflanzen zu Rosen in den Farben Rosa, Gelb oder Weiß. Meyer empfiehlt vor allem die Sorten „Six Hills Giant“ oder „Walkers Low“, weil sie unempfindlich sind und lange blühen. Ihr Tipp: „Schneidet man die Nepeta nach der ersten Blüte im Mai/Juni zurück, bereichern Sie den Garten und das Insektenbuffet ein zweites Mal bis in den September hinein.“(BdS/ZVG)