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Hestercombe Gardens in Somerset


Die Gärten von Hestercombe, im südenglischen Somerset gelegen, gelten als Meilensteine der englischen Gartenkunst des frühen 20. Jahrhunderts. Hier entstand das erste Gemeinschaftswerk von Gertrude Jekyll (1843-1932) und Sir Edwin L. Lutyens (1869-1944).

Der sehr viel jüngere Architekt Lutyens schuf das architektionische Gerüst, die räumliche Ordnung und versah die Gartenelemente mit handwerklich perfekt durchgearbeiteten Details, während sich die erfahrene Pflanzenkennerin und Autorin Jekyll für die üppige, naturalistische Bepflanzung verantwortlich zeichnete. Einfältige Teppichbeete viktorianischer Repräsentationsgärten gehörten nun der Vergangenheit an. Die englische Arts- and Craftsbewegung brach sich Bahn. Naturverbundenheit und handwerkliches Können verschmolz im neu aufkommenden Architekturgarten, dessen Wurzeln sich in den Renaissancegärten Italiens und Englands fanden.


Garten mit Vergangenheit


Heute gehört das Anwesen dem Hestercombe Gardens Trust. Die Ursprünge der Anlage führen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Aus dieser Zeit stammt auch der seit 1992 wiederbelebte Englische Landschaftsgarten, ein Teil von Hestercombe Gardens, der sich dem architektonischen Garten der Jahrhundertwende anschließt. 1873 kaufte die Familie Portman das Anwesen und modernisierte das Haupthaus im viktorianischen Stil. 1904 wurden Lutyens und Jekyll beauftragt, den Garten umfassend umzugestalten. Bis 1909 entstand einer der bemerkenswertesten architektonischen Gärtens Englands. 1944  wechselten wieder die Besitzverhältnisse. Das britische Militär nutzte das Anwesens als Quartier, um die Befreiung Frankreichs vorzubereiten. Die Gartenkunst geriet in den Hintergrund. Nach dem Krieg ging der Besitz an den Somerset County Council, der hier eine Administration der Feuerwehr unterbrachte. In den Siebziger Jahren wurde man auf die gartenkünstlerische Preziose der Jahrhundertwende wieder aufmerksam und entriss sie dem weit fortgeschrittenen Verfall. Heute strahlt der Glanzpunkt englischer Gartenkunst wieder in Jekyll'scher Pracht und Lytyens'schem Raffinement.




Great Plat


Kern der Anlage aus der Feder Lytyens' ist das sogenannte Great Plat, ein rechteckiger Sunken Garden als Parterre, geschmückt mit einem Muster aus Staudenbeeten, Rasenflächen und Wegen. Das diagonal angelegte Wegekreuz strukturiert das fein gewebte Spiel aus Rasen und Stauden. (Bild oben rechts)

An den Ecken des Great Plat vermitteln viertelkreisförmige Treppen in andere Gartenpartien.  Diese Treppenform ist ein wiederkehrendes Detail aus Lutyens architektonischem Repertoir.

Als Abschluss des Great Plat setzt die 70 Meter lange Pergola ein architektonisches Ausrufezeichen. In den Mauerritzen gedeihen eine Vielzahl hübscher Mauerblümchen. Glyzinen, Kletterrosen und Weinreben verleihen dem aus ortsnahen Bruchsteinen geschichteten Bauwerk pflanzlich-gärtnerische Fülle. Von hier aus geht der Blick über das Taunton Tal und die weichgeformten Hügel Somersets.




Wassergärten


Flankiert wird das Great Plat von zwei architektonischen Wassergärten. Wasser, das aus zwei Wandbrunnen munter in kreisrunde Becken sprudelt, wird über architektonisch gefasste Wasserkänale bis zu zwei Seerosenteichen geführt. (Siehe auch Bild oben Mitte)

Auch im Wasserkanal gedeihen üppig Pflanzen wie der Froschlöffel. Es ist ein Beet aus Wasser mit der typschen Jekyll'schen Pflanzenfülle.


Orangerie


Die Rotunde, ein runder, Hecken umschlossener Gartenraum, verbindet die seitlichen Gartenterrassen mit der Orangerie und dem Landschaftspark. Die Orangerie ist das größte Bauwerk, das Lutyens in Hestercombe Gardens geplant hat.

Hestercombe Gardens gehört mit seinen unterschiedlichen Gartenteilen zu den spannendsten Gärten Europas. Es ist das erste von über 100 Werken aus der gemeinsamen Schaffensperiode von Gertrude Jekyll und Sir Edwin Lutyens.



nächster Garten

Weiterer Garten von Lutyens: Parc du bois des Moutiers/Normandie

Weitere Garten in Südengland: Sissinghurst

weiterer Garten von Lutyens: Great Dixter