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Das ehemalige Zisterzienserkloster Neuzelle

 

Mit dem Ausdruck „Böhmische Dörfer“ beschreibt man gerne einen unverstandenen Sachverhalt. Wer zum ersten Mal ins ehemalige Zisterzienserkloster Neuzelle kommt, der fühlt sich nach Süddeutschland oder eben besser noch: nach Böhmen versetzt. Dabei liegt Neuzelle nur ein paar Kilometer südlich von Eisenhüttenstadt, unweit der Oder. Die barocke Anlage um die opulent mit Blattgold ausgestattete Klosterkirche St. Marien hat nichts mit dem bäuerlichen Charme und den gedrungen-wehrhaften Feldsteinkirchen zu tun, die Brandenburger Dörfer in der Regel prägen. Unter den mehr als 100.000 Besuchern, die jährlich den Weg ins Ostbrandenburgische Neuzelle finden, staunen daher nicht wenige über den überraschend südlich anmutenden Ort, an dem früher sogar Weinbau betrieben wurde.


Böhmisch, statt preußisch

Eingebettet in die hügelige Endmoränenlandschaft an der Hangkante zum Odertal ist das barocke Denkmal heute eine der wenigen vollständig erhaltenen barocken Klosteranlagen Deutschlands. Neuzelle verdankt seine Gründung dem sächsischen Markgrafen Heinrich dem Erlauchten, der 1268 das Zisterzienserkloster gründete. Aus dieser Anfangszeit stammt noch der mittelalterliche Kreuzgang, der seit 2009 im restaurierten Glanz zu besichtigen ist.

Bis 1634 gehörte Neuzelle zu Böhmen, danach wechselte es zu Sachsen. Die barocke Überformung der Anlage fand in den 1740er Jahren statt und ist bis heute erhalten geblieben. Italienische und schlesische Künstler arbeiteten in Neuzelle und schufen das nördlichste Zeugnis des süddeutschen und böhmischen Barocks. Das „Brandenburger Barockwunder“ war eine katholische Insel innerhalb einer protestantischen Umgebung. Nach der Neuordnung Europas von 1815 wurde das Zisterzienserkloster dem Königreich Preußen zugeschlagen. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) ließ das Kloster 1817 säkularisieren.


Stiftung Neuzelle

Nach der Wende wurde der Wunsch formuliert, das ehemalige Kloster als Ort der Wissenschaft, Bildung und Kultur auszubauen. Seit 1996 widmet sich die öffentlich rechtliche Stiftung Neuzelle diesen Zielen. Seither sind umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgeführt worden, die bis 2018 abgeschlossen sein werden.


Der barocke Klostergarten

Ähnlich wie die barocken Gebäude wurde auch die vier Hektar große Gartenanlage durch spätere Gartenmoden verschont. Weder kam das friderizianische Rokoko zum Zug, noch wurde der Garten als Landschaftsgarten umgestaltet. Der 1760 geplante Garten besitzt so noch eine Fülle authentischer Elemente aus seiner Entstehungszeit.

Barocke Wegachsen, Wasserspiele und die Orangerie lassen sich ebenso bewundern wie die alles bestimmende steil abfallende Terrassenanlage, welche die natürliche Hanglage zu einem gartenkünstlerischen Glanzpunkt erhöht. Der alte Baumbestand, die detailgetreu restaurierten baulichen Elemente und die gepflegten Pflanzflächen runden den positiven Eindruck der Gesamtanlage ab. In dieser schönen Umgebung lädt das Café in der barocken Orangerie zum kleinen Imbiss oder zum Eisessen ein. Zwar ist die Weinproduktion früherer Jahrhunderte versiegt, doch lässt sich in Neuzelle gebrautes Bier aus der benachbarten Klosterbrauerei genießen und als „böhmisches“ Mitbringsel mit nach Hause nehmen.


Die Deutsche Zentrale Für Tourismus zählt die ehemalige Klosteranlage zu den 50 bedeutendsten Gartenanlagen Deutschlands. Als einzig erhaltener Barockgarten Brandenburgs ohnehin schon in einer Sonderstellung, ist Neuzelle mit seinem böhmisch-südlichen Charme ein touristischer wie gartenkünstlerischer Höhepunkt in Brandenburg.