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Staatsbad Wilhelmsbad in Hanau

 

Auf mehr als 300 Jahre Geschichte kann der Staatspark Wilhelmbad nordwestlich von Hanau zurückblicken. Als einer der ersten Landschaftsgärten auf deutschem Boden und mit nahezu unveränderten Kuranlagen aus dem späten 18. Jahrhunderts ist Wilhelmsbad ein gartenkulturelles Schmuckstück der Region.

 

Aus kleiner Quelle wird ein berühmtes Kurbad

 

nachdem 1709 ein kleiner Rinnsal inmitten eines Steinbruchs entdeckt wurde, entwickelte sich ein bescheidener Trinkkurbetrieb, da man dem Wasser eine gesundheitsfördernde Wirkung zuschrieb. Mehr als ein halbes Jahrhundert später wurde der „Gute Brunnen“ Ausgangspunkt für ein ehrgeiziges Prestigeprojekt des Erbprinzen Wilhelm von Hessen-Kassel: Ab 1777 wurde das Kurbad Wilhelmsbad unter Geheiß des Erbprinzen durch seinen Architekten Franz Ludwig Cancrin errichtet. Finanziert wurde die Anlage mit den Geldern aus dem Soldatenhandel. Der Onkel des Erbprinzen, der König von England, bezahlte hessische Söldner im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

 

Aufblühende Bäderkultur

 

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts erfreuten sich Kurbäder vielerorts großer Beliebtheit und so konnte der Erbprinz auf Einnahmen aus dem Bäderbetrieb hoffen. Die 1781 vollendeten Gebäude wurden noch als spätbarocke Pavillions erbaut. Als baulicher und gesellschaftlicher Mittelpunkt diente der Arkadenbau zwischen den Pavillions. Im lichten, vordern Teil des Parks, dem “Boskett vor den Kurgebäuden“ konzentrierte sich der Kurbetrieb: Ein Heckentheater, Karussells, Kegelspiele, Schaukeln, und Gondelfahrten auf dem Wasser sorgten für Abwechslung und Entspannung. Kleine, von Händlern betriebene Boutiquen boten ihre vielfältigen Waren feil.

 

Neue Gartenideen

 

Um die Gebäude wurden regelmäßige Strukturen wie Allen und Schatten spendende Baumplätze, Esplanaden genannt, in den Park eingefügt. Neben diesen regelmäßigen Bestandteilen manifestiert sich im Kurpark eine neue Naturauffassung: Der englische Landschaftspark trat am Ende des 18. Jahrhunderts einen Siegeszug in Deutschland an. Ab 1720 wurde in England der Landschaftsgarten als Gegenentwurf zum Barockgarten, dem Symbol des Absolutismus entwickelt. Nun, am Ende des 18. Jahrhunderts, nahmen auch die absolutistischen Herrscher des Kontinents diese Mode begeistert auf. Der „natürliche“ Landschaftsgarten traf den Nerv des neuentdeckten, idealisierten Naturgefühls jener Zeit.

Der Erbprinz ließ sich in seinem Park ein Refugium fernab des strengen Hofzeremoniells errichten. Eine romantisierte, künstliche Burgruine diente als Hülle für ein prachtvolles Interieur, das alle Annehmlichkeiten eines Schlosses bot. (Bild oben Mitte)

 

Im Kontrast zur lichten, heiteren Atmosphäre des Bosketts wurde im hinteren Teil die „Wilde Natur“ inszeniert: In kleinteilig bewegter Topografie, mit eng geschwungenen, schmalen Pfaden im dichten waldartigen Gehölz belebten Tierfiguren und Waldgottheiten in kleinen Höhlen die Szenerie mit Grottengang und schwankender Kettenbrücke.

 

Ausgezeichneter Ruf

 

Als Erbprinz Wilhelm 1785 als Landgraf Wilhelm IX. sein Erbe antrat, hatte das Kurbad seinen gestalterischen Höhepunkt erreicht. Der anerkannte Gartentheoretiker Christian Cay Lorenz Hirschfeld rühmte den Park in seiner 1785 erschienen „Theorie der Gartenkunst“:

 „Wilhelmsbad (…) behauptet von der Seite der Anmuth unter Deutschlands Bädern wohl den ersten Rang...“

 

Im 19. Jahrhundert

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trat der Badebetrieb in Wilhelmsbad aufgrund mangelnden Heilwassers zunehmend in den Hintergrund. Von nun an blieben Dauergäste während der Sommermonate aus, und Wilhelmsbad entwickelte sich als Ausflugsort. Ohne Kurbetrieb und ohne die 1864 geschlossene Spielbank wurde es daher im ausgehenden 19. Jahrhundert ruhiger in Wilhelmsbad, das nach 1866 unter preußischer Regentschaft als bewirtschaftetes Ausflugsziel erhalten blieb.

 

Staatliche Schlösser und Gärten Hessen

 

Ende 1948 kam die 28 Hektar große Gesamtanlage in die Obhut der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. Die 1990 begonnenen Recherchen zur Entwicklungsgeschichte von Wilhelmsbad mündeten in einem langfristigen Parkpflegewerk. Dieses fordert, die Anlage auf der Grundlage der historischen Quellen weitgehend im Zustand des ausgehenden 18. Jahrhunderts zu erhalten.

 

Das Karussell

 

Die seit 2007 begonnene Restaurierung des 1779 von Cancrin erbauten Karussells soll das einzigartige technische und architektonische Denkmal wieder zum Leben erwecken. Der Förderverein für das Karussell im Staatspark Hanau-Wilhelmsbad e.V. unterstützt dieses Vorhaben.


karussellpferde - spielerische Glanzpunkte des Parks.





Inszenierte "wilde Natur" mit Hängebrücke und Schlucht.